Wer isst schon gern die Speisekarte?

“NLP ist manipulativ …”. Vergleichbares lese ich häufig, und gar nicht selten selbst bei NLP-Trainern: NLP, das Neuro Linguistische Programmieren, sei schlecht. Alles Systemische hingegen gut.

Ich war selbst mal unterwegs, um herauszubekommen, was eigentlich an so pauschalen Gerüchten dran ist und bemerkte dabei, dass ich mich inmitten einer Sprachtheorie befand.

Ich war also ein Forscher und hatte mir vorgenommen, mich ganz eng an wissenschaftlichen Kriterien zu orientieren. Da ich mich aber nun im Feld der sozialen und zwischenmenschlichen Bereiche aufhielt, hatte ich mich nicht für einen statistischen, sondern für einen hermeneutischen Ansatz entschieden. D. h., dass man zuerst einen Fragenkatalog erstellt. Man liest sich also in die dazugehörige Fachliteratur ein, und überlegt: Was will ich beweisen? Dazu muss man vorher sogenannte Thesen (Hypothesen) aufstellen. Sie kennen vielleicht das häufig zitierte Beispiel, welches die Grundfesten unserer Wissenschaft erläutert?

These: Alle Schwäne sind weiß. Forschen – suchen – forschen – suchen  finden. Ergebnis: In Lappland wurde ein schwarzer Schwan gefunden! Mist. These falsch!

So, jetzt wissen wir, wie Wissenschaft funktioniert! Also wollte ich damit beginnen, mein (noch auszuführendes Thema) über Fachliteratur einzukreisen und die entsprechenden Thesen und damit verbundenen Fragestellungen zu eruieren. Etwas hinderlich bei der ganzen Sache war für mich, dass ich vom Prinzip her ein stinkfauler Typ bin. Oje, das drückt man doch eigentlich anders aus: Ich arbeite in der Regel sehr ökonomisch (Puh, klingt schon beruhigender für mich).

Machen wir es einfach mal ganz unfachlich. Wie zu Beginn erwähnt, behauptet da einer, NLP würde manipulieren. Frage ich doch einfach mal nach:

“Hallo NLP! Manipulierst du?”

Also, wer jetzt keine Antwort erhält, ist vielleicht einfach nicht sensitiv genug. Oder es ist vielleicht nicht ganz die richtige Frage.

Okay, nehmen wir die Eingangsbehauptung und machen sie zur These: NLP = schlecht! Zuletzt gehört bei einem meiner Vorstellungsgespräche. Das sollte doch zu beweisen sein. Ich nehme dazu einen Hammer, schreibe NLP drauf und schlage damit einer meiner Mitarbeiterinnen auf den Daumen. Sie schreit Aua! – Gott sei Dank, wenigstens einmal Recht gehabt. Ich schreibe daraufhin einen Brief an meinen Trainer und kündige den Weiterbildungsplatz mit der Begründung, NLP tue weh. Der Sack meint doch am Telefon, das er sich selber immer mehr vom NLP entferne. Das hätte er mir auch vorher sagen können.

Am meisten tut mir allerdings meine Tante leid, die nach der “schnellen NLP-Phobietechnik” nicht mehr ihren Mann anrufen musste, damit der 100 km von der Arbeit nach Hause kommt, um diese eklige Spinne aus der Wohnung zu befördern. Alles für die Katz. Hat aber auch Vorteile. Das “beweist” schließlich, dass sie eigentlich gar keine Phobie hatte und ich damit nicht ohne Heilerlaubnis tätig war.

Sie glauben bestimmt, ich drehe jetzt ab! Stimmt, und darüber hinaus schmecken die Hamburger auf der Speisekarte echt wie altes Papier.

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