Wahl plakativ 2013

Nun ist es wieder so weit. Lange mussten wir warten, vor allem, da die letzte Staffel von DSDS auch schon ne Weile durch ist. Und, wissen Sie bereits, was Sie am Sonntag wählen werden? Ich denke doch, oder? Die meisten wählen das, was Sie immer schon gewählt haben. Frage: Gibt es eigentlich Menschen, die sich von den Wahlkampagnen leiten lassen? Ausgerechnet in diesem Wahlkampf stachen mir die Plakate ins Auge und ich war neugierig, was für markige Sprüche diesmal verteilt wurden.

Mit “Gemeinsam erfolgreich” deutet uns die CDU schon mal an, dass es ihr auch diesmal wieder egal sein wird, mit wem sie koaliert. Hauptsache, es bleibt bei dem Motto, “macht uns nicht für das verantwortlich, was hier so passiert”. Damit Deutschland stark bleibt, mit freundlicher Genehmigung der NSA. Kann sich eigentlich irgendjemand an irgendetwas erinnern, das durch unsere werte Kanzlerin initiiert wurde? Also ich für meinen Teil höre täglich brav Radio, aber ich wüsste zurzeit nicht … Gut, ab und an hört man doch mal von etwas, das dann aber durch das Verfassungsgericht wieder rückgängig gemacht wurde. Was mich eigentlich wundert, da doch ein Großteil der Abgeordneten Juristen sein soll. Oder waren das nur die Lehrer, die solche Ergebnisse erreichten? Dass man tatsächlich mit einem stabilen Euro Werbung machen möchte, verwirrt mich ein bisschen. Wobei es immer darauf an kommt, von welcher Seite man die “Eurostabilität” betrachtet: Ein Grieche wird dies anders beurteilen als ein Mitarbeiter von Goldman & Sachs.

Die SPD zeigt sich in einem etwas dunkleren Feministenlila. Der gestreckte Zeigefinger Peer Steinbrücks ist leicht geknickt, da man bekanntlich nicht mit nacktem Finger auf angezogene Leute zeigt. Er vermittelte mir, dass ich entscheide, ob sich etwas ändert. Er ist derjenige im Konkurrenzduo, der Inhaltliches andeutet, während die Kanzlerin einfach so da steht und guckt, wie sie halt guckt. Böse SPD-Erinnerungen werden jedoch wach, wenn ich an die Einführung der Hartz-IV-Gesetze und der Wegbereitung für die Hedgefonds denke. Naja, das “Goldkettchen” ist ja Gott sei dank nicht mehr dabei, genauso wie der “Wer-nicht-arbeitet-muss-auch-nicht-essen”-Mann.

Die Grünen haben unheimlich viel Familie und Kinder auf ihren Plakaten. “Meine Mudda wird Chef”, schreiben die und deuten damit auch schon auf die Koalition mit der CDU an. Als Umweltpartei nehme ich die aber auch nicht mehr wahr. Äh, für wahr, meinte ich. Ach, was waren mir die ungezogenen jungen Radikalen doch so viel sympathischer als die heutigen Anzugträger, die ich nicht mehr von denjenigen anderer großer Parteien unterscheiden kann. Schickten die doch ihre Söhne in den Krieg und saßen dabei auf denselben Vorstandsposten wie ihre Kollegen.

Die FDP. Ja, was soll man da sagen? Wir sollen den “Aufschwung wählen”; jeder Job würde zählen; Deutschland soll stark bleiben! Also, bis auf den letzten Satz, den die bei der CDU abgeschrieben haben und dafür irgendjemand wieder einmal seinen Doktor verliert, frage ich mich, was diese Sätze mit der FDP zu tun haben? “Wohlstand sichern!” Ah, so kenne ich den Verein, jetzt bin ich beruhigt.

Schaut man nach Links, hat man zumindest die Chance, etwas Rotes zu sehen, wenn man drauf abfährt. Bei denen ist es eigentlich egal, was auf den Plakaten steht. “Wir wollen eben keinen Kommunismus”, höre ich noch heute die Leute sagen. “Das hat doch überhaupt nicht geklappt!” “Die müssen doch” immer noch “ihr Unrechtsvermögen zurückzahlen”, oder? Apropos: Wo waren noch mal unsere in den USA gelagerten Goldreserven? Aber das ist ein anderes Thema. Auf jeden Fall sind die die einzigen, mit denen keiner koalieren wird. Vielleicht sollten die das zu ihren Werbeslogans machen. Mal ganz abgesehen davon, dass so manche Sprüche der etablierten Parteien vor zehn Jahren totale Empörung über die Linken ausgelöst hatte. Gegen Bankenverstaatlichung haben wir heutzutage überhaupt nichts mehr, solange die von Goldman & Co. geführt werden. Und die Linken wollen eh wieder eine Diktatur.

Von Piraten würden Sie sich sicherlich auch nicht regieren lassen wollen. Außerdem sind die allen anderen Parteien total überlegen, was Wahlstrategien angeht. Die denken wahrscheinlich noch, es käme auf Inhalte an, witzig, oder? Na, die sind ja auch noch jung. Haben eine total unkonventionelle Infrastruktur, die den neuen Kommunikationsmethoden viel näher ist als die üblichen Hierarchien. Die Piraten sind halt ihrer Zeit zu weit voraus. Schließlich ist das Internet noch Neuland für uns. “Vertrau keinem Plakat. Informier Dich!” Wie naiv, aber sympathisch.

Ich befürchte, dass alle Ziele, die so auf Plakaten propagiert werden, ganz gut sind. Nur die Wege, auf denen sie erreicht werden sollen, weichen voneinander ab. Was aber egal ist, werden diese doch kaum benannt. Und wenn dies in irgendwelchen Talkshows doch mal vorkommt, dann überreden wir dies einfach. Die derzeit niedrigsten Arbeitslosigkeit seit Joshua Ben Mirjam wird viel mehr zur Wahl dazusteuern als alle Plakate zusammen. Sind doch sogar seriöse Radiosender anscheinend hoch motiviert, dies stetig zu wiederholen. 1-Euro-, 2-Euro-Jobs, Hartz-IV-er in Maßnahmen, 450-Euro-Jobs, Praktikanten, Aufstocker und all die anderen Kaumbeschäftigten und Nichtbezahlten sind nicht mit in dieser Statistik. Das ist ein bisschen so, als wenn jemand die Arbeitslosenzahlen schlechter darstellen wollen würde als sie sind. Und zu diesem Zweck würde dieser jemand alle Angestellten des Jobcenter, die Mitarbeiter von Schulungsunternehmen, die Vermittlungsagenten und die Zeitarbeitsfirmen mitzählen, weil die ja schließlich alle arbeitslos wären, wenn wir keine Arbeitslosen hätten.

Gucken wir lieber Heidi Klum. Da haben wir den Zickenterror wenigstens transparent.

Was ich mir wünschen würde?

  • Transparenzgebote
  • Internet für alle
  • Verbote für inhaltslose Wahlwerbung (so eine Art FSK dafür)
  • Rechtfertigungen für meine Steuergelder
  • Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenzen
  • Schumi mit nem Schweizer Pass
  • Kontenschließung von Diktatoren und Verbot von Waffenhandel anstatt Krieg gegen Syrien
  • Rechtfertigung der Brechung von Wahlversprechungen
  • Anzugspflicht für Arbeitslose
  • Bedingungsloses Grundeinkommen
  • Mindestlohn und Maximalverdienste
  • Lohnverbot für Politiker (sollen die von mir aus alles hinterher geschmissen bekommen was sie wollen – nur eben kein Geld)

Ich muss Schluss machen. Heidi kommt gleich.

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